Wie sie sich zeigen und wie man sie behandeln kann


Als Folge von Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns können neben vielfältigen körperlichen Beeinträchtigungen auch Störungen im Bereich der geistigen Leistungsfähigkeit, im Gefühlsleben oder Störungen im Sozialverhalten (neuropsychologische Störungen) auftreten. Sie zeigen sich in Schwierigkeiten bei der Handlungsplanung und Handlungskontrolle: Den Alltag selbständig zu planen oder weit reichende finanzielle Entscheidungen zu treffen fällt schwer. Sie können sich auch in mangelnder Kontrolle, z. B. in Form von aggressiven Impulsen, äußern. Es kommt vor, dass Betroffene ihre Störungen unterschätzen und sich oder andere durch ihr Verhalten in Gefahr bringen.

Auch das Überschätzen von Schwierigkeiten kommt bei Patienten wie Angehörigen vor und kann bei zu häufigen Hilfestellungen dazu führen, dass Patienten nicht so selbständig sind, wie sie es sein könnten. Darüber hinaus können sich viele Betroffene mit ihrem Zustand nicht abfinden. Häufig kommt es dann zu Depressionen, Angst und Anspannung sowohl bei Patienten als auch bei Angehörigen. Langfristig ist es nicht selten, dass Menschen nach Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns aufgrund dieser neuropsychologischen Störungen ihre früheren Sozialkontakte nicht aufrechterhalten können und sozial isoliert sind. Prinzipiell sind solche Folgen einer Hirnschädigung behandelbar. Nach einer ausführlichen neuropsychologischen Untersuchung der Schwierigkeiten und Stärken erfolgt eine individuelle Therapie mit dem Ziel, die vorhandenen Probleme zu beseitigen oder so weit wie möglich zu verringern. In manchen Fällen können die verloren gegangenen Funktionen durch spezielle Therapieverfahren wieder aufgebaut werden (Restitutionstherapie). Ist dies nicht mehr möglich, werden Behandlungsverfahren eingesetzt, die auf die Kompensation ausgefallener Funktionen zielen, beispielsweise durch den Einsatz technischer Hilfsmittel oder bestimmter Handlungsstrategien. Zusätzlich werden von Neuropsychologen zur Therapie von Verhaltensstörungen wie Aggressivität oder unkontrolliertem Schreien operante Techniken eingesetzt.

Die neuropsychologische Therapie zielt immer auch darauf ab, dass der Betroffene sich mit der veränderten Lebenssituation auseinandersetzt, die Erkrankung und ihre Folgen erkennt und psychisch angemessen verarbeitet. Gelingt dies nicht ausreichend, ist es oft auch nicht möglich, sich erfolgreich an die neue Situation anzupassen. Die in der neuro psychologischen Therapie erlernten Fertigkeiten müssen noch während der Therapie in den Alltag integriert werden, damit sie vom Patienten dauerhaft genutzt werden können und nicht erneut verloren gehen. Deshalb müssen die Therapie oder Teile der Therapie auch in der Schule oder am Arbeitsplatz stattfi nden können. Die Behandlung in der konkreten Lebenssituation des Patienten ist ein besonders wichtiger Bestandteil neuropsychologischer Therapie.